Der Wagen

Inhalt

Home
Doppelstock 
 wagen
Der VLV
Geschichte
Termine
Reisen
Kontakt
Links
Presse

Abschnitt


Die LBE und seine Doppelstockwagen

Um ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit und einen flexiblen Einsatz im dicht belegeten Städte- Schnellverkehr zu erreichen, waren die schnittigen Fahrzeuge mit Absicht nicht als Triebwagen konstruiert worden. Fortbewegt wurden die Doppeldecker, von einer speziell gebauten Schnellfahr-Tender-Dampflokomotive mit Stromlinienverkleidung Die Doppeldecker ließen sich wie ein Triebwagen fahren; denn Lok und Doppelstockwagen waren als "Wendezüge" einsetzbar - d.h. die Doppeldecker verfügten über Führerstände an jeweils beiden Stirnseiten, von denen aus der Lokführer bei Bedarf die Dampflok fernbedienen konnte. Eine enorme Rationalisierung; denn in den Endbahnhöfen brauchte die Lokomotive nicht mehr umgesetzt werden. Dort begab sich der Lokführer lediglich in den Führerstand des Doppelstockwagens, auf der Lok verblieb nur noch der Heizer und die Fahrt ging ferngesteuert zurück

In jenen Jahren war Baurat Paul Mauck Leiter des maschinen-technischen Dienstes der LBE. Er stellte sich für die drei beschriebenen Aufgabenkreise den Einsatz doppelstöckiger Reisezugwagen vor eine Idee, die ihm bei Besuchen der Französischen Eisenbahnen gekommen war. Aber war derartiges auch in Deutschland möglich, wo zweistöckige Wagen seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut worden waren? Es sollte möglich werden LBE und Fahrzeugindustrie bewiesen es. Man entwickelte einen neuartigen zweiteiligen Doppelstockwagen, dessen beide Teile durch ein gemeinsames Drehgestell  miteinander verbunden waren. Je ein weiteres Drehgestell trug die Wagenkästen an den Stirnenden. Kastengerippe und Untergestell wurden nach modernsten Schiffbau-Prinzipien in Spantenbauweise aus Blechen und hochwertigen Stahlprofilen zusammengeschweißt. Für die Beschläge und die Einrichtung verwendete man dagegen weitgehend Leichtmetall.

Der Bau der Zugeinheiten begann Ende 1935. Die stromlinienverkleideten Lokomotiven baute Henschel. Insgesamt entstanden drei Lokomotiven (Achsfolge 1 B 1 ), die die LBE-8etriebsnummern 1- 3 erhielten und in den Jahren 1936/37 abgeliefert wurden. Die geplanten acht Doppelstockwagen wurden im gleichen Zeitraum von den Firmen Wumag, Görlitz und Linke-Hofmann, Breslau, gebaut. Sie wurden als DW 1 - DW 8 (DW = Doppelwagen) in den LBE-Fahrzeugpark eingereiht. Die erste Lok und der erste Wagen standen der LBE bereits im März 1936 zu Erprobungszwecken zur Verfügung.

Zum Sommerfahrplan 1936 begann dann der fahrplanmäßige Betrieb mit den neuen Doppelstockwagen und ihren von der Bevölkerung auch gerne als .Micky-Maus bezeichneten Lokomotiven, wobei Lok und Wagen durch automatische Scharfenberg-Kupplungen verbunden waren. Die neuen Züge benötigten für die Strecke Lübeck-Hamburg nur 40 Minuten und für die Strecke Hamburg-Travemünde ca. 65 Minuten eine Zeit, die auch heute kaum noch unterboten wird, allerdings sind die Züge schwerer.

Die Doppelstockwagen boten ihren Fahrgästen für damalige Zeiten ein großes Maß an Komfort, so z. B. gepolsterte Sitze in der 3. Klasse. Größeres Gepäck wurde beim Einsteigen von Pagen abgenommen, die es wie in einer Garderobe im Gepäckabteil der DW-Wagen verstauten und beim Verlassen des Wagens wieder auslieferten. Dabei war der von der LBE mit den DW-Wagen und den Stromlinienlokomotiven eingeleitete HL-Schnellverkehr trotzdem völlig zuschlagfrei. Die in den von der Innenarchitektin Bertsch entworfenen Farbgebungen grau (3.-Klasse-Teil) und ockergelb (2.-Klasse-Teil) gehaltenen Wagen bildeten vor allem im Hamburger Hauptbahnhof einen Kontrast zu den grünen Reichsbahn-Reisezugwagen. Eine spezielle Beeisungsanlage sorgte für die Kühlung der Wagen in der warmen Jahreszeit.

Die DW 1 und 2 wurden 1936 von der WUMAG an die LBE abgeliefert, die DW 3-8 im folgenden Jahr von den Linke-Hofmann-Werken. Wumag- und Linke-Hofmann-Wagen unterschieden sich äußerlich durch die großen Stirnfenster (DW 1 u. 2) und die kleineren, mehr Bullaugen ähnlichen Fenster (DW 3-8) im Steuerabteil.

Die Reichbahnzeit


Als die LBE am 1.1.1938 in der Deutschen Reichsbahn aufging, wurden natürlich auch die Doppelstockwagen von der DRG übernommen. Die DRG versah die Wagen mit den Gattungszeichen und Betriebsnummern. Beheimatet waren sie beim Bahnbetriebswagenwerk Hamburg Berl. Bhf. Der HL-Schnellverkehr wurde weiterbetrieben, aber nicht mehr im Wendezugbetrieb mit den Stromlinien-Lokomotiven, sondern mit den älteren ehem. LBE-Schnellzuglokomotiven der preuß. S10-Bauart (DR-Baureihe 17.10). Die ehem. LBE-Schnellfahrtenderlokomotiven wurden als Baureihe 60 von der DRG in untergeordnete Dienste umgesetzt. später als Heizlokomotiven verwendet.

1942 wurde der HL-Schnellverkehr wegen der Kriegsereignisse eingestellt, die Lübeck-Büchener Doppelstockwagen verblieben aber im Lübecker Raum. Der LBE-DW 6 wurde durch Kriegseinwirkung zerstört, die anderen fanden ab Kriegsende im Vorortzugverkehr Hamburg Hbf-Hamburg-Neugraben Verwendung.  weiter...
 

Seitenanfang

Bilder aus der LBE Zeit

Der fabrikneue Zug bei einer Probefahrt. Die Aufnahme entstand vermutlich Anfang 1936.       Foto: Sammlung VLV

Der Wagenkasten ist in selbsttragender Bauweise ausgeführt worden. Diese Bauform wird auch heute noch angewendet.      Foto: Sammlung VLV

Doppelstockwagen-Einheit bei der Ausfahrt aus Hamburg Hbf.
Foto: Sammlung VLV

 

Verein Lübecker Verkehrsfreunde e.V. © 2003-2008 — Update 18 Apr, 2008